Korntal: unsere Gschnaidtwiesen sind ein wichtiger Lebensraum am Rande der Stadt

Die Gschnaidtwiesen im Westen von Korntal sind ein wichtiges Gebiet für die Naherholung, die Frischluftzufuhr und als Lebensraum von Tieren und Pflanzen, dass es sich wohl lohnt, sich etwas genauer mit diesem Gebiet zu befassen. Gerade der BUND versucht in letzter Zeit sich um derartige Biotope zu kümmern und in engem Kontakt mit der Stadt und den Landwirten Renaturierungen von Wiesen zu erreichen.

Es war einmal ein Feuchtgebiet

Das Gschnaidt ist eine flache Senke, die im Wesentlichen vom Lachengraben nach Westen entwässert wird. Da das Gefälle sehr gering ist, war dieses Gebiet ursprünglich ein ausgesprochenes Feuchtgebiet und mit einem Auenwald bewachsen. Dieser Auenwald wurde nach und nach gerodet und zwar noch bis ins beginnende 19. Jahrhundert. Seitdem waren es Feuchtwiesen, die noch bis ca. 1960 in jedem Frühjahr nach der Schneeschmelze oft für Wochen unter Wasser standen. Deshalb konnten die Wiesen erst gemäht werden, wenn diese einigermaßen abgetrocknet waren und so konnten sie nur 1-2 mal im Jahr gemäht werden. Auch die Düngung hielt sich noch in Grenzen, so dass neben dem Gras viele Pflanzen zum Blühen kamen und damit vielen Insekten wie Bienen und Schmetterlingen Nahrung und Lebensraum boten. Darunter waren auch durchaus seltenere Arten, wie z.B. das Kleine Mädesüß, das in der weiteren Umgebung sehr selten vorkommt. Auch Vögel wie Wiesenweihe, Brachvogel, Bekassine, Kiebitz und Grauammer lebten noch im Gschnaidt

Vom Bauern zur technischen Landwirtschaft - Verlust der Artenvielfalt


In den 60 er und 70 er Jahren änderten sich die Bedingungen für die ursprünglichen Feuchtwiesen entscheidend. Durch die Errichtung eines großen Gewerbegebietes  auf dem ganzen südlichen Teil des Gschnaidt auf Korntaler und Stuttgarter Markung wurde ungefähr die Hälfte der Wiesen vernichtet und damit der Lebensraum für die meisten Pflanzen und Tiere. Gleichzeitig hat sich aber auch durch die immer stärkere Rationalisierung der Landwirtschaft die Bewirtschaftung der Wiesen immer mehr geändert. Die restlichen Wiesen wurden noch zusätzlich drainiert, so dass die Feuchtwiesen in ganz normale Wiesen umgewandelt wurden, die kaum noch überschwemmt werden. Gleichzeitig wurden die Wiesen immer stärker und öfters gedüngt und schließlich müssen seit einigen Jahren auch noch die Vergärungsreste der Biogasanlage zusätzlich auf Felder und Wiesen aufgebracht werden. Heute wird oft schon recht früh gemäht, so dass die meisten Pflanzen überhaupt nicht mehr zum Blühen und nicht zur Aussaat kommen und damit verschwinden.
Das hat für die Natur sehr nachteilige Folgen, die  jeder selber beobachten kann: auf den meisten Wiesen blühen kaum noch Pflanzen, denn nur die Gräser können bei dem riesigen Nähstoffangebot noch gedeihen und verdrängen die meisten anderen Pflanzen. Nicht einmal Löwenzähne, die früher das ganze Gschnaidt im Frühjahr gelb färbten, können noch merklich gedeihen. Statt Blumenwiesen haben wir heute öde Graswiesen fast ohne Blumen. Zunächst finden die Bienen und Hummeln kein Futter mehr. Viele Schmetterlingsarten, die zur Entwicklung  ihrer Raupen ganz bestimmte Pflanzen benötigen, verschwinden, weil sie diese Futterpflanzen nicht mehr finden. Dies gilt für viele weitere Insekten. Auch durch den Einsatz von Pestiziden auf den benachbarten Äckern gibt es weniger Insekten. Damit finden Vögel weniger Nahrung, abgesehen davon, dass durch das häufige Mähen Bodenbrüter keine Chance mehr haben. So sind eine ganze Reihe von Vogelarten verschwunden wie z.B. die Grauammer, der Kiebitz oder die Wiesenweihe.  

Heute noch wichtig für Mensch und Natur

Trotz allen Eingriffen in den letzten 50 Jahren ist das Gschnaidt für Pflanzen, Tiere und auch für die Menschen noch ein ganz wichtiger Lebensraum und wir sollten uns Gedanken machen, wie wir diesen erhalten und vielleicht sogar durch gezielte Maßnahmen aufwerten können. So kommen an Vögeln z.B. Turmfalken, Mäusebussarde und – leider selten geworden – auch Rebhühner vor. Seit etwa 10 Jahren ist der Graureiher, der jahrzehntelang ganz verschwunden war, wieder ein regelmäßiger Gast, der offensichtlich gut von den Mäusen der Wiesen lebt. Vor einigen Jahren zeigte sich ein Storchenpaar für eine Stunde.  Seit Neuestem ist der Silberreiher mehrfach gesichtet worden. Jedes Frühjahr kann man Hasen beobachten. Auf wenigen Wiesen findet man auch noch blühende Pflanzen, z.B. den Wiesenknopf, den Wiesensalbei, die Wiesensilge, Glockenblumen und Margeriten.   Der Bach, der von der Gärtnerei Busch in den Lachengraben fließt, hat als einziger Bach auf Korntaler Markung noch einen typischen Bachbewuchs mit z.B.  Sumpf-Schwertlilie, Großes Mädesüß und – als Rarität – Kleines Mädesüß, verschiedene Binsen und Seggen und Blutweiderich. Es war einmal…,   denn leider wurde der Bach im Frühjahr 2015 gründlich ausgebaggert, damit das Wasser besser abfließen kann, obwohl bis jetzt keine Schäden aufgetreten sind.  Dabei wurde der größte Teil der erwähnten Pflanzen herausgebaggert, mit allen Folgen auch für die Tierwelt. Es wird Jahre dauern, bis sich der Bestand erholt. Ob alle Pflanzenarten überleben, wird sich noch zeigen.
     

Möglichkeiten und Vorschläge des BUND


Wie kann man nun Pflanzen und Tiere besser schützen? Leider wurde der Antrag, die Gschnaidtwiesen unter Landschaftsschutz zu stellen, schon vor Jahren vom Gemeinderat abgelehnt, obwohl alle umgebenden Wiesen auf Stuttgarter Markung unter Landschaftsschutz stehen. So wurde eine große Chance vertan, öffentlich ein Zeichen für die Bedeutung der Gschnaidtwiesen zu setzen. Zur ökologischen Aufwertung kann man z.B. die Nutzung der Wiesen extensivieren, d.h. weniger oft mähen und weniger düngen. Der erste Schnitt darf erst Mitte Juni erfolgen, bis dahin haben viele Pflanzen geblüht und so können sie sich noch aussäen. Ein zweiter Schnitt erfolgt dann erst im Herbst. Düngung höchstens einmal im Jahr, denn viele Pflanzen (außer den Gräsern) gehen bei stärkerer Düngung zu Grunde. Da dabei weniger Gras anfällt, müssen die Bauern dafür Ausgleichszahlungen bekommen, wobei es selbstverständlich ist, dass man diese Maßnahmen nur zusammen mit den Bauern durchführen kann. Nach intensiven Gesprächen ist es dem BUND erfreulicherweise gelungen, dass erste Wiesen in Zukunft extensiv genutzt werden, wofür wir den Bauern sehr danken.
Entlang der Gewässer im Gschnaidt sollte beidseitig ein 10m breiter Wiesenstreifen extensiv genutzt werden, so dass sich wieder mehr blühende Pflanzen ansiedeln können. Dadurch wird auch der Nitrateintrag in die Gewässer verringert und so die Wasserqualität verbessert. Außerdem sollte das Ufer locker mit Erlen und Weiden bepflanzt werden. Das bietet neuen Lebensraum z.B. für Vögel und zusätzlich verhindert das Wurzelwerk im Bachlauf die Erosion. Zusätzlich sind auch Ausgleichsmaßnahmen denkbar, falls z.B. Korntal-West kommen sollte.
Denkbar wäre, dass man den Bach unterhalb der Gärtnerei Busch oder den Lachengraben in einen naturnahen Zustand versetzt mit Mäandern, abgeflachten Böschungen und teilweiser Bepflanzung mit Weiden und Erlen. Ebenso könnte man ein Vogelschutzgehölz westlich der Strohgäubahn als Ersatz für die abgegangenen Bäume der Gärten anlegen. Ganz wichtig ist auch die Erholungsfunktion für die vielen Spaziergänger, die hier noch eine freie Landschaft genießen können und das hoffentlich für alle Zukunft!

   
Ulrich Steinheil, Korntal, April 2015
                                    



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